Unser Gespräch dauerte mehr als zwei volle Stunden. Es war mir eine Freude, mit dieser gleichermaßen intelligenten, als auch extrovertierten Frau ein so inhaltsreiches Gespräch führen zu können. Ihre Art, die Dinge in Worte zu fassen, ist ehrlich und offen zugleich. Mademoiselle Zoé schaut einem direkt in die Seele, von der ersten Sekunde an nimmt sie einen völlig ein. Für mich persönlich war dieses Interview ein Highlight!
Zoé, wir einigten uns ja auf das " Du ". Wie ist dir deine Neigung zum SM bewusst geworden?


Nun eigentlich war es schon in der Kindheit da, aber das erste Mal richtig bewusst wurde es mir mit ca. 12 Jahren. Ich kann mich noch genau daran erinnern, ich hatte einen älteren Freund, welcher in mir das Interesse für Comics weckte, nicht etwa Mickey Mouse, sondern Stanton, Willie etc. Es ging um gefesselte Menschen, Folter, .... Ich las begierig jedes Heft, jede Szene ... und merkte, ich bin mit meinen Phantasien nicht allein, das war ein wichtiges Schlüsselerlebnis! Außerdem zeigte er mir Fotos von gefesselten Japanerinnen – ein wichtiger Moment – bis heute bin ich ein großer Bondage-Freak! Ich begann mich über Kunst und Kultur dem Thema BDSM anzunähern, zunächst noch ohne meinen Platz genau definieren zu können. Erst in meinen Beziehungen wurde mir immer mehr klar, dass das Ausleben sexueller SM- Praktiken mir unbändige Lust bereiten sollte und dass ich es nicht aus meinem Leben ausklammern konnte. SM nahm seinen Platz ein in nahezu jedem meiner Lebensbereiche!


Interessante Antwort, Respekt! Ein so intensiver Bezug zum SM hat sich doch sicherlich nicht allzu lange verheimlichen lassen, liege ich da richtig?


Genau. Ich haderte einige Zeit mit mir, aber dann kam mein Coming Out und ich offenbarte mich meinen Freunden und Bekannten sowie auch meinen Eltern. Besonders bei Letzteren war es nicht leicht, wie du dir sicher denken kannst...


Du erweckst in mir den Eindruck, dass du eine sehr intensiv denkende und lebende Domina zu sein scheinst.....


Ganz genau! Auch privat lebe ich mit meinem Freund allerlei aus, doch natürlich gibt es Dinge, die ich gerne darüber hinaus praktiziere.


...kommt jetzt dein Studioleben ins Spiel?


Ja. Im Studio lebe ich gerne all das aus, was meinem Freund Grenzen setzt. Tatsächlich - es ist die Erweiterung meines Privatlebens, Lusterfüllung, das " Sich Hineinbegeben " in die noch viel größere Welt des BDSM. Außerdem gibt es auch „Spiele“ (manchmal ein blödes Wort), die mit größerer Distanz viel besser funktionieren bzw. in einer festen Beziehung gar nicht unbedingt möglich sind ...


Ich bin wirklich beeindruckt, Zoé! Also geht dein Studioleben über das Maß allgemeiner Dienstleistung hinaus?


Nur, weil ich eine Dienstleistung anbiete, heißt das ja nicht, dass ich meine Arbeit nicht mit Überzeugung und Passion betreiben kann! Ich habe mittlerweile meinen Weg gefunden und ich verbiege mich für niemanden, gebe die Dinge, die passieren, stets vor. Geld ist für mich keine Veranlassung, Dinge zu tun, hinter denen ich nicht stehe!


Was hälst du von sogenannten Dominas, die Pay- und Moneyslavery betreiben?


Ich halte von diesen Praktiken gar nichts. So etwas entspricht nicht meinem Verständnis von SM.


Was ist für dich ein wesentliches Element, was eine gute Session ausmacht?


Nun - wenn ich merke, dass ich mein „Opfer“ „habe“ - wenn ich die Energie spüre, die mein Gegenüber und mich verbindet. Energie ist etwas, was eine gute Session lenkt, bestimmt und auch ausmacht.


Wie beschreibst du dich selber als Domina?


Ich betreibe meine Profession aus Passion und immer so, wie ich es für richtig und gut halte. Mit dieser Einstellung werde ich nicht unbedingt reich, aber dafür glücklich und zufrieden!


Was erwartest du von deinen Gästen? Was fällt dir dabei angenehm auf?


Ich brauche Menschen und Gäste, die mich als Domina verstehen oder sich zumindest darum bemühen. Auch ich habe eine Erwartungshaltung, musst du wissen! Meldet sich bei mir ein Gast, den ich noch nicht kenne, muss ich ihn erst einmal näher kennenlernen. Das ist für mich keine Zeitfrage, wichtig sind die Ergebnisse und Erkenntnisse, die ich aus dem Gespräch gewinnen kann. Erst, wenn ich spüre, dass es stimmt zwischen uns, denke ich an eine Session oder ausgefallene bizarre Spiele.....


Du suchst also auch für dich selbst, Dinge, die dich für " mehr " motivieren können?


Genau. Die Neigungen bzw. Phantasien meines Gegenübers müssen mich reizen, die Chemie muss einigermaßen stimmen, aber ich muss auch genug Freiraum haben, um „MEIN Spiel“ zu entwickeln (ich agiere nie komplett nach Drehbuch, plane auch selbst keine Session im Vorfeld durch!)! Und glaube mir, wenn ich erst mal voll bei der Sache bin, meinen Spaß habe, schaue ich auch nicht mehr auf die Uhr ....


Die Frage, die stets die Leute interessiert- bist du berührbar?


Gegenfrage. Was verstehst du darunter? Denn das ist einer missverständlichsten Begriffe überhaupt im Studiokontext.


Lässt du dich an intimen Stellen anfassen, machst du oder lässt du Oral - Geschlechtsverkehr durchführen?


Nein, definitiv nicht. Nähe ist zwar immer dabei, wenn es passt, auch liebe ich z.B. Facesitting ... Ich kann auch mal viel Haut zeigen ... nur ist es stets so, dass immer ich selbst die Dinge vorgebe. Ich bin der aktive Part und wieviel Nähe ich gebe, wieviel man(n) von mir sehen, riechen darf ... , - muss von mir ausgehen und mir in diesem Moment Freude bereiten! Hier ist der gewisse Unterschied.


Was ist für dich der ideale Sklave, wie sollte er sein?


Mir ist Aussehen und Alter definitiv egal. Entscheidend ist der erste Blick in seine Augen ... wenn ich Hingabebereitschaft verspüre, Sehnsüchte bemerke und aus den Augen herauslese, ist das eine gute Voraussetzung für eine wunderbare Zeit zu Zweit. Perfekt ist es, wenn sich Hingabe und Vertrauensbereitschaft auch im bizarrem Miteinander fortsetzt!


Gibt es etwas, was dich persönlich anmacht im Erscheinungsbild eines Sklaven?


Ich liebe es geradezu, wenn einer nervös vor mir sitzt, unruhig ist. Das finde ich süss, sowas macht mich an.


Ich sah auf deiner Webseite Klinik- Bilder von dir. Ist es richtig, dass du also auch im weißen SM anbietest?


Das ist richtig. Ich weiß gar nicht so genau, wo das herkommt, aber ich habe einen sehr ausgeprägten Fetischismus für Klink, auch „Versuchslabor-Situationen“, Psychatrie etc., also auch gerne etwas morbide oder verrückt anmutende Rollenspiele. Und ein großes Faible für altes medizinisches Instrumentarium, auch militärisches – so habe ich auch einen alten Maquet-Artzschrank zuhause und feine Sammlung alter Spritzen etc. (es muss alles aus Glas und Metall sein). Doch zum ernsthaft benutzen sind natürlich die heutigen Einweginstrumente praktischer. Auch für Strom habe ich mittlerweile ein heftiges Faible entwickelt und besitze auch mittlerweile zwei eigene Stromgeräte (ein e-play und ein ET312, falls dir das was sagt), die auch wunderbare Therapiemöglichkeiten (nicht nur für Patienten) eröffnen. Ich halte mich für eine versierte " Frau Doktor ", habe alles wirklich gründlich gelernt und freue mich immer wieder, da es auch in der Klinik so viele verschiedene Möglichkeiten und neue Herausforderungen gibt, vom ganz „authentischen Arztbesuch“ über die Gummiklinik, - ein eigenes weites Feld - bis hin zur psychopathischen Frau Doktor, die heimlich seltsame Versuche macht, oder der hochsadistischen Ärztin im Militärkrankenhaus ... ok, ich hör ja schon auf


Dann danke ich dir für dieses Interview, welches ich so schnell nicht vergessen werde. Möchtest du abschließende Worte an den Leser richten?


Danke für das Kompliment. Auch für mich war unser Gespräch wirklich eine Freude! Nutzen möchte ich die Gelegenheit gerne, um mich bei meinen lieben und langjährigen Gästen und Freunden für ihre Treue zu bedanken. Wir sind zusammengewachsen und erleben gemeinsam sehr oft fantastischen SM, den ich nicht mehr missen möchte! Auch sogenannte Anfänger oder Neugierige kann ich ermutigen, den Weg zu mir zu finden....ich habe in jedem Fall viel Spaß dabei, auch den Newbee in meine Welt zu entführen.


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